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Die Adelphi-Charta
über Kreativität,
Innovation und
geistiges Eigentum
Der größte Schatz der Menschheit ist ihre Fähigkeit,
neue Ideen und
Wissen hervorzubringen. Sie ist die Quelle von Kunst, Wissenschaft,
Innovation und wirtschaftlicher Entwicklung. Ohne sie stagnieren
Individuen und Gesellschaften.
Diese kreative Vorstellungskraft benötigt Zugriff auf die Ideen,
das
Lernen und die Kultur von anderen, aus der Vergangenheit und in der
Gegenwart.
Die Menschenrechte fordern uns auf, sicherzustellen, dass jeder
Information und Wissen erschaffen, in Anspruch nehmen, benutzen und
teilen kann, um Individuen, Gemeinschaften und Gesellschaften die
Möglichkeit zu geben, ihr volles Potential auszuschöpfen.
Kreativität und Investition sollten anerkannt und belohnt werden.
Der
Zweck von Gesetzen zum geistigen Eigentum (wie z.B. dem Urheber- und
Patentrecht) sollte damals wie heute sein, sowohl Wissen zu teilen, als
auch Innovation zu belohnen.
Die Ausdehnung von Umfang, Spielraum und Dauer dieser Gesetze in den
vergangenen 30 Jahren haben zu einem Regime des geistigen Eigentums
geführt, dass fundamental von der Richtung der modernen technologischen,
wirtschaftlichen und sozialen Tendenzen abweicht. Dies bedroht die Kette
von Kreativität und Innovation, auf die wir und zukünftige Generationen
angewiesen sind.
Wir rufen die Regierungen und die internationale Gemeinschaft dazu
auf,
diese Prinzipien anzuwenden.
- Gesetze zur Regelung von geistigem Eigentum müssen
zur Erreichung kreativer, sozialer und wirtschaftlicher Ziele dienen,
anstelle selbst das Ziel zu sein.
- Diese Gesetze und Regelungen müssen den grundlegenden
Menschenrechten auf Gesundheit, Bildung, Arbeit und kulturellem Leben
dienen. Sie dürfen sie nicht untergraben.
- Das öffentliche Interesse benötigt eine
Ausgewogenheit zwischen Gemeinfreiheit und privaten Rechten. Es benötigt
ebenso eine Ausgewogenheit zwischen dem freien Wettbewerb, der für
eine wirtschaftliche Dynamik unverzichtbar ist, und den Monopolen, die
durch Gesetze zum geistigen Eigentum gewährt werden.
- Der Schutz von geistigem Eigentum darf nicht auf
abstrakte Ideen, Fakten oder Daten ausgedehnt werden.
- Patente dürfen nicht auf mathematische Modelle,
wissenschaftliche Theorien, Computercode, Lehrmethoden, Geschäftsprozesse,
medizinische Diagnose-, Therapie- und Operationsmethoden ausgedehnt
werden.
- Urheberrechte und Patente müssen befristet
sein und ihre Geltungsdauer darf nicht darüber hinausreichen, was
angebracht und notwendig ist.
- Regierungen müssen auf breiter Basis politische
Regelungen schaffen, um Zugang und Innovation zu stimulieren, einschließlich
nicht-proprietärer Modelle wie Lizenzen von Open-Source-Software
und dem freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur.
- Gesetze über geistiges Eigentum müssen
die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umstände von Entwicklungsländern
berücksichtigen
- Regierungen sollten sich in der Debatte über
Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums an diese Regeln halten:
* Es muss eine automatische Vermutung gegen die Schaffung neuer Bereiche
im Schutz geistigen Eigentums, der Ausweitung bestehender Privilegien
oder der Verlängerung der Schutzdauer geben.
* Die Beweispflicht in solchen Fällen muss den Vertretern der Gesetzesänderung
auferlegt werden.
* Änderungen dürfen nur erlaubt sein, wenn eine strenge Analyse
deutlich aufzeigt, dass diese die grundlegenden Rechte des Volks und das
wirtschaftliche Wohl verbessern.
* Es sollte dabei eine durchgängige Einbeziehung der Öffentlichkeit
und eine verständliche, objektive und transparente Einschätzung
von öffentlichem Nutzen und Schaden geben.
Wir rufen die Regierungen und die internationale Gemeinschaft dazu
auf, diese Prinzipien anzuwenden.
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